Kölner Stadt-Anzeiger (16.1.09)
Zwölf Kölner Reggae-Musiker wollen in der Reihe “Klangprobe live” den Kulturbunker Mülheim vibrieren lassen. Ragga, Dub, Dancehall und Ska sind als verwandte Stile dabei. Im Vorprogramm gibt’s HipHop.

Zwölf ziehen aus, um „positive vibrations“ zu verbreiten - am kommenden Donnerstag sind One Drop Left im Kulturbunker zu Gast. (Bild: Radach)
VON PETER LIMBACH: Mülheim – Revolutionen sind eigentlich eine ernste Sache. Im schlimmsten Fall fließt Blut, auf jeden Fall muss diskutiert, agitiert, demonstriert werden. Oft kommt die ersehnte Veränderung gar nicht zustande. Zuweilen zieht sich die Angelegenheit hin. Das zehrt – es sei denn, die Revolutionäre basteln sich aus ihrer Mission eine eigene Kultur. Der Rock ‘n’ Roll ist so entstanden, hat eine Menge erreicht, sich zwischenzeitlich aber in weiten Teilen mit dem Establishment arrangiert. Die Rasta Revolution ist seit gut 40 Jahren so bissig, engagiert, aber auch so friedlich und lebenslustig wie am Anfang. Die schwarzen Jamaikaner, für die Rastafari eine echte Religion ist, und ihre unzähligen Sympathisanten auf dem Planeten beschwören beharrlich Afrika als das gelobte Land und protestieren gegen soziale Ungerechtigkeit allerorten. Vor allem aber wird gesungen, getanzt, musiziert. Und bei alledem bewegen sich auch zwölf Rastas vom Rhein durchaus auf Weltniveau. One Drop Left heißt die Formation, die am Donnerstag, 22. Januar, bei der Klangprobe live des „Kölner Stadt-Anzeiger“ im Kulturbunker Mülheim den Rhythmus der Revolution spielt – den Reggae.
Was den Besucher erwartet, formuliert im Song „(Af inne) Tanzhall“ der Chef-Sänger und Texter Marian Siep alias FreshDuxx BenJammin: „Ein Riddim heiß und treibend / fast so feurig, dass er brennt / What? Keine Zeit zu chillen / Wir rocken permanent.“ Das fast grenzenlose Panorama der Musik wird hier in wenigen Sätzen beschrieben. Basis sind natürlich die typischen komplexen Off-Beat-Rhythmen des Reggae: der Schlag kommt immer kurz vor oder nach dem eigentlich vorgesehen Beat. Das schafft wunderbar aufregende musikalische „Konflikte“. Da die Rasta-Kultur und der Reggae aber äußerst weltoffen sind, erlauben sich One Drop Left einen „hoch fluiden Zaubertrank mit Zutaten so different wie die Persönlichkeiten in der Band“ anzurichten. Ragga, Dub, Dancehall und Ska sind als verwandte Stile dabei. Aber auch Heavy-Metal und ein wenig Jazz sprudeln immer wieder heraus, wie Fontänen aus einem höllisch heißen Geysir.
Die Aussicht auf schier unbegrenzte Möglichkeiten war es, die 2003 zunächst sechs Freunde und Freundinnen der „harmonischen Schwingungen“ dazu trieb, in Köln eine Reggae-Combo zu gründen. Mittlerweile sind es doppelt so viele, hauptsächlich Studenten, einige an der Musikhochschule, mit einem Altersdurchschnitt von 25 Jahren. „Diese Musik lässt so viel Platz, dass jede Persönlichkeit sich hier einbringen kann“, schildert FreshDuxx BenJammin. Der Reggae besitzt für ihn „den selben Respekt vor dem Individuum wie der Jazz“, ist aber eben tanzbarer, eingängiger. „Eine Musik des kleinen Mannes“ – bestens geeignet also für die Revolution, die eine bessere Welt schaffen will.
Die lässt zwar nach Jahrzehnten leidenschaftlicher Bemühungen mehrerer Rasta-Generationen noch auf sich warten. Doch auch One Drop Left machen immer weiter – und appellieren zum Beispiel ans Volk, doch mehr den Mund aufzumachen, sich das Recht auf Meinungsfreiheit zu nehmen: „Felicity without freedom of speech, dat is a fiction“, singt FreshDuxx im Lied „Freedom“. Zudem gibt es ja noch ein zweites Argument, den Reggae niemals mehr aufzugeben. „Positive Vibrations, Mann. Das ist die Hauptsache, das ist Reggae-Music“, formulierte es einst die Ikone des Reggae, der 1981 verstorbene Bob Marley. Seine Botschaft werden bei der Klangprobe live neben FreshDuxx Ben Jammin folgende Kölner Brüder und Schwestern im Geiste zum Vibrieren bringen: Schlagzeuger Soufian, Bassistin Lea, Gitarrist Lars, Keyboarder „Jahze“, Geigerin Julia, Effektmann „Defekt“, die Background-Sängerinnen Nelly, Karina und Maya sowie die Bläser José und Daniel.
Vertreten ist an dem Abend im Kulturbunker aber auch eine andere Fraktion, die sowohl Party als auch Politik macht. Das HipHop-Duo Doctor Positiva (zwei DJ’s und ein MC) stimmt als Vorprogramm das Publikum ein, „auf die Pflicht, für mehr Respekt auf der Welt zu sorgen“. Und dabei werden bei den Musikfreunden all die Muskeln gelockert, die zum Tanzen benötigt werden. Ob Reggae oder HipHop – sie sind allesamt sehr taktvoll, die Revolutionäre.
One Drop Left und Doctor Positiva: Donnerstag, 22 Januar, 20 Uhr, Kulturbunker Mülheim, Berliner Straße 20, Eintritt: fünf Euro.
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