Kölner Wochenspiegel (’08)
Außerdem rief die Schülerinitiative „Gegen Rechts“ zu mehr Wachsamkeit auf
Rondorf – Ursprünglich als Treffpunkt für Jugendliche ins Leben gerufen, ist die Ackerparty viel mehr als eine lockere Zusammenkunft von Gleichgesinnten geworden. Mit ihrer Showbühne bietet sie ein Sprungbrett für junge Musiker und präsentierte in diesem Jahr neun Lifebands, die von Rock bis Metal eine vielseitige Bandbreite an Stilrichtungen lieferten. Die Heartcore Worldreggae-Band „One Drop Left“ passte mit ihrem Potpourri aus Jazz, Rock, Funk und Weltmusik in das unausgesprochene Motto der Veranstaltung: Toleranz zu üben gegenüber anderen Nationen und Kulturen. „Wir möchten möglichst alle Grenzen ausblenden und geben jedem eine Stimme“, erklärt der Sänger der Band. „Vor allem möchten wir unser Publikum dazu aufrufen, insbesondere die Massenmedien kritisch zu hinterfragen“. Dazu animierte auch die Schüleraktion gegen Rechts (SGR), die an diesem Abend mit Flyern zu mehr Wachsamkeit gegenüber rechtsextremen Fanatikern ermahnte. „Pro Köln geht dir auf die Nerven?“ lautet es in einem Informationsblatt der Verantwortlichen, denen etwa 30 Bezirksschülervertreter von Kölner Schulen angehören und die ein gemeinsames Ziel verfolgen. „Wir wollen das falsche Bild über Ausländer korrigieren, das die rechtspopulistische Bürgerbewegung Pro Köln in die Welt setzt“, so Ralf Pierson. „Außerdem informieren wir über die Methoden von Pro Köln, die mit einer angeblichen Schülerzeitung an Schulen auf Stimmenfang gingen, um ausländerfeindliche Fotogeschichten über arabische Mitbürger zu verbreiten, die scheinbar wahllos Mädchen und Frauen belästigen“, bekräftigt Pierson weiter. Insgesamt gingen die Schülervertreter an rund 20 Schulen, um aufzuklären und Fotos von Schülern zu machen, die gegen die unseriöse Wahlfängermasche von Pro Köln sind. „Wir haben 2.900 Fotos geschossen, überwiegend an Gymnasien. Jedoch gingen wir auch zu Haupt- und Realschulen und forderten für Schüler unter sechzehn Jahren eine Genehmigung der Eltern für ein Foto ein“. Am 06. September findet der „Tag gegen Rechts“ am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium statt, an dem die Schüler gegen Ausländerfeindlichkeit mobil machen. Sie verstehen sich als Bündnis gegen rechte Gruppierungen und Meinungen und betrachten den Kampf dagegen als gesellschaftlich notwendige Aufgabe. Auch die Ackerparty stand im Zeichen des friedlichen Miteinanders und unterschiedliche Nationalitäten feierten entspannt gemeinsam. Beim Menschen-Kicker kamen sich die Erwachsenen näher, die sich als lebende Fußballfiguren ausprobierten und beim Zirkustreff erprobten sich die Kleinen beim Tellerdrehen oder auf der Rola-Bola-Rolle, auf der sie freihändig balancierten. Geleitet wurde die Zirkustruppe von Anne-Lena Bläser vom „Haus der Familie“, einem freien Jugendträger in Rondorf, der die Idee zur Ackerparty hatte und sie mit Kooperationspartnern auf die Beine stellte. „Tatkräftig unterstützt werden wir bereits im dritten Jahr von der Wohnungsbaugesellschaft GAG, der Bezirksjugendpflege und der Sozialraumkoordination Rondorf und Meschenich“, erklärt Uwe Schärf, selbst Bezirksjugendpfleger im Haus der Familie. „Vor allem die Rodenkirchener Bezirksvertretung hilft uns bei diesem Vorhaben, was wichtig für uns ist“. Da es in Rondorf an Freizeitangeboten für Jugendliche fehlt, ist das „Haus der Familie“ stets bemüht, neue Konzepte zu entwickeln. Ab September ist daher ein mobiles Jugendprojekt geplant, bei dem die Sozialarbeiter, aktiv Jugendliche aufsuchen und mit ihnen in Kontakt treten. Außerdem bietet das „Haus der Familie“ in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz, Jugendprojekte für Zivildienstleistende an. Wer Interesse hat, bitte melden unter www.rondorf-hdf.de (ar)
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